Dienstag, 7. August 2012

Verluste im Garten Edi

Nicht nur Brombeeren und Mirabellen werden auch noch von anderen Gartenbewohnern oder flüchtigeren Eindringlingen geschätzt und gestohlen, auch Tomaten, Pflaumen und die Äpfel sind offensichtlich verlockend. Ich finde das per se auch nicht schlimm, schliesslich gehört der Garten auch denen, die schon vor uns hier waren oder vor denen, die Parzellen mit Zäunen geschaffen haben.

Was mich aber eklatant stört (neben diesen Schnecken!!!), ist das wilde Knabbern und dann Liegen lassen. Beim Betreten des Garten Edi am Morgen erst einmal das Aufsammeln von unzähligen Mirabellen, die nur einmal angepickt und dann liegen gelassen wurden. Das verstehe ich noch, ich schätze mal, die Vögel testen so in Scharen jeden Tag, ob die Mirabellen schon reif sind. Die können ja nicht wie wir Menschen mit den Fingern kurz drücken um zu testen ob sie langsam weich werden. Aber dass sie auch die wenigen Pflaumen so vom Baum holen und zum Faulen auf der Wiese lassen, oder das gar mit den sehr wenigen Äpfeln und Tomaten machen, ist traurig. Jetzt sind am kleinen Apfelbaum noch zwei Äpfel. Es waren einmal fünf. Werde ich die zwei noch so lange hängen lassen können bis sie reif sind? Oder esse ich sie besser jetzt bald? Fragen über Fragen...

Darüber hinaus frage ich mich, was für ein Tier einmal in eine Tomate beisst, die in etwa 20 cm über dem Boden wächst. Es sieht aus wie ein richtiger Biss, kein Picken. Ob es Zwerge im Garten Edi gibt? Kobolde? Der Mann glaubt aber ehr an eine große Artisten-Maus mit einer Leiter, aber das finde ich doch etwas unrealistisch.


Montag, 6. August 2012

Melonenkerne

Auch ausserhalb des Gartens Edi bin ich nicht untätig. Sogar beim Aufschneiden einer Honigmelone denke ich nicht nur über die leckere Melone an sich nach, sondern auch darüber, ob aus den Kernen wohl ein Melonenbaum wächst. Oder woran auch immer Melonen wachsen... vermutlich kürbisähnlich, oder wie Gurken... auf dem Boden mit Blüten. Das muss ich googeln. Später. Denn jetzt kratze ich die Samen erst einmal ganz easy mit einem Löffel aus und lege sie auf einen Kaffeefilter. Das habe ich aus dem Alys Fowler Buch, denn auf Küchenpapier würden sie festkleben. Die getrockneten Kerne stecke ich in frisch aufgedunsene Kokos-Quelltabletten und werde jetzt vermutlich erst einmal Monate warten müssen. Stay tuned.


Sonntag, 5. August 2012

Mirabellen-Kletteraffe gesucht

Direkt hinter der Tür zum Garten Edi steht ein Mirabellenbaum. Ich gebe zu, vorher noch nie eine Mirabelle gegessen zu haben, aber der Name klang nach Bullerbü-Sommern und Marmelade aus Frankreich. Jedenfalls sind Mirabellen meiner Ansicht nach eine Mischung aus Aprikose und Pflaume, zumindest vom Geschmack her. Unser Gartennachbar Anton würde vermutlich etwas anderes sagen, aber er ist ja auch ein Experte, der so Dinge wie "Mirakosen" pflanzt...

Jedenfalls steht so ein Mirabellen-Baum im Garten Edi und im Moment ist er voller Früchte die vor sich hin reifen und offensichtlich sehr begehrt sind. Denn jeden Morgen verscheuche ich mit meinem Aufschliessen des Gartentörchens als erstes einen Schwarm von Halsbandsittichen. Das sind wunderhübsche grüne Vögel, kleine Papageien, die sich auf der anderen Seite des Kittelbaches, direkt in Sichtweite, in einem gigantisch großen Baum angesiedelt haben. Ich liebe diese Vögel, sie sind so exotisch und darum hier im Garten fast magisch, aber sie fuchteln so im Mirabellenbaum herum, dass ich Morgens erst einmal all die einmal angepickten Früchte von der Wiese auflesen muss.

Und dann, direkt nach dem Pflückten der schwarzen Brombeeren, sammele ich die reifen Mirabellen ein, zumindest die, an die ich heran komme. Die Äste sind so voll, dass ich schon darüber nachdenke, ein zahmes Kletteräffchen zu kaufen. Meinen eigenen Herrn Nilsson, was die Erfüllung eines weiteren Kindertraumes wäre.... Herr Nilsson würde mir alle Mirabellen pflücken und in den lila gepunkteten Killepitsch-Eimer legen, den wir zur Hochzeit bekommen haben. Als Belohnung würde ich Herrn Nilsson kraulen während er ein paar Mirabellen verspeist. Welch schöner Traum.

Im Hier und Jetzt werde ich aber wohl in ein paar Tagen oder Wochen die Leiter aus dem Werkzeugschuppen hervor holen und den Kletteraffen selber spielen müssen um alle dann wirklich reifen Früchte zu ernten. Meine liebe Renee hat schon ein bisschen geholfen und Maya hat zugeguckt. Ich bin mal gespannt, wann mir meine tägliche, immer größer werdende Portion an Mirabellen aus den Ohren raus kommt. Zum Glück gibt es ja noch die Brombeeren zum Ausgleich...


Samstag, 4. August 2012

Tooltime

Ausserhalb des Garten Edi habe ich zwei linke Hände, keine großartige motorische Koordination und schon in der Ausbildung zum Mediengestalter habe ich mich vor der Benutzung eines Skalpells gefürchtet.

Die Werkzeuge die ich täglich gebrauche sind eine Gabel zum Essen und eine Schere für alles mögliche. Jetzt aber benutze ich fast täglich meine Lieblings-Gartenwerkzeuge und wenn ich etwas Geld und Zeit zum Rumgucken übrig habe, werde ich vermutlich ganz tolle, noch ausgeklügeltere, noch besser zu mir passende Versionen dieser Utensilien finden.

Vielleicht gibt es Spaten, Harke, meine kleine Schüppe und meine geliebte SchnippSchnappSchere auch in rosa und trotzdem stabil? Aber vielleicht will ich das auch gar nicht, vielleicht will ich mit den richtigen Werkzeugen klar kommen, nicht mit einer handliche Anne-Version? Erst einmal nehme ich das was da ist, im Geräteschuppen und bis auf die etwas unzuverlässige Gartenschrere brauche ich auch nix Neues. Nur noch mehr Handschuhe. Erst hab ich die aus dem Schuppen genommen, in denen vorher große Männerhände gesteckt haben. Jetzt habe ich eigene, die sich eng aber atmungsaktiv um meine kleinen Finger schmiegen. Die sind nicht billig, aber jeden Cent wert. Denn eine meiner liebsten Beschäftigungen ist im Moment das Auszupfen und Rupfen von filigran-resistenten Unkräutern und Pflänzchen die von wer weiß woher kommen aber nicht hier Wurzeln schlagen sollen. Und mit grobschlächtigen Handschuhen kommt man sich vor wie bei dem Kindergeburtstagsspiel, bei dem man mit Fäustlingen eine Tafel Schokolade zerschneiden soll.


Freitag, 3. August 2012

Jeden Morgen Brombeeren

Die Brombeersaison ist eröffnet und diesmal mache ich nicht meinen notorischen Fehler, mir gute Dinge aufzusparen. Denn manchmal wartet man zu lange und antizipierte Vorfreude verwandelt sich in ein Ärgernis, wenn man den Moment verpasst und nicht genutzt hat.

Auf den Garten bezogen sind mir die Johannis- und die Erdbeeren eine Lektion. Ich habe warten wollen bis sie perfekt gereift sind und das in ausreichender Menge und am Ende haben mir die Vögel gezeigt wer hier wann den Wurm fängt und ich stand da mit meinem langen Gesicht. NICHT NOCH MAL! Darum habe ich die erste komplett schwarz gefärbte Brombeere umgehend in den Mund gestopft, demonstrativ HA! gesagt und nun wandere ich jeden Morgen in aller Frühe mit Edi in den Garten und während sie diverse Veränderungen erschnüffelt und ihren Ball sucht, gehe ich mit einer meiner bunten Dosen hinter dem Haus herum und zupfe alles von der Hecke ab was schwarz ist. Und jeden Morgen ist die Dose voll von richtig dicken Brombeeren und dennoch scheint der Strauch noch ein paar Wochen jeden Tag neue, reife Früchte hervor zu bringen.

Wenn ich es so Recht bedenke, habe ich vorher nie bewusst Brombeeren gegessen. Ich erinnere mich an Brombeeren als Bestandteil der phänomenalen Beerentorte von Heinemann, als Dekofrüchte und Marmelade, aber ich habe noch nie ein Schälchen mit frischen Brombeeren gekauft. Im Moment kostet ein 125 Gramm Schälchen bei REWE etwas über 2 Euro. Und 125 Gramm sind NICHTS!
Da ich im Moment ziemlich viele Brombeeren esse, einfach weil sie da und meine sind und ich sie gepflückt habe, fühle ich mich jeden Tag sehr priveliegiert. Ich glaube, ich esse momentan jeden Tag das Äquivalent von 5-6 Euro an Brombeeren und irgendwie kam mir in den Sinn, dass Brombeeren schon ein klitzeklein wenig nach überdimensioniertem Kaviar aussehen.

Und dann sind Brombeeren auch ein Inbegriff von Kinderheits-Sommern, wo man an Büschen herumspazierte und sich die dicken Beeren mit kleinen Fäusten in den Mund steckte und Wörter wie Fuchsbandwurm so abstrakt waren wie Einkommenssteuererklärung. Ich hoffe, die Brombeeren im Garten Edi sind frei von Schädlingen, denn ich wasche sie aus Prinzip nicht. Die erste Hälfte stopfe ich direkt in meinen Mund und die andere nasch ich aus der Schale. Schon enorm, etwas zu essen was man hat entstehen und wachsen und dann reifen sehen. Und was, im Gegensatz zu manch anderem Gepflanzten, jedes Jahr auf Neue mit seinen Geschenken an uns wartet.


Donnerstag, 2. August 2012

Das Glück liegt auf der Strasse

Was im Garten Edi noch fehlt, ist schönes Geschirr, schöne Gläser und all das was man so seinen Gästen auftischt, damit sie sich wunderbar heimelig fühlen. Ich habe mir ja vorgenommen, so wenig Geld wie möglich in diesen Bereich zu investieren, denn wir möchten bald ein kleines Gerätehaus und auch die Pflanzen kosten doch so einiges. Aber: das Glück liegt ja manchmal auf der Strasse, besonders wenn man die Augen und das Herz offen hat.

Und so, auf dem Heimweg vom Garten, müde und glücklich, einen kleinen Umweg genommen um noch ein kaltes Bier beim Kiosk zu kaufen, entdecken meine Augen einen Schatz. An einer Hauswand steht ein alter Drucker, eine Art Kerzenständer mit glitzriger Weihnachtsdekoration und ein Stapel Teller. Und was für Teller!! Feinste Blümchen sind drauf, wunderschön und ohne Fehl und Tadel!! Behutsam habe ich den Schatz inspiziert und wußte: er hat nur auf mich gewartet. Drei flache Teller und zwei tiefe, das ist doch schon einmal ein schöner Anfang! Und eine Bestätigung meiner Theorie dass man nur die Augen offen halten und seine Wünsche im Kopf haben muss.




Mittwoch, 1. August 2012

Stachelbeeren

Der Stachelbeerstrauch im Garten Edi ist offensichtlich alt und etwas vernachlässigt. Seine Äste sind zum größten Teil grau und irgendwie moosig, alt und morbide sehen sie aus. Aber überall sind Stacheln und schützen ihn mit widerspenstiger Zuverlässigkeit gegen Naschkatzen wie uns. Der Strauch scheint aber ein Freund der Vögel zu sein, sie lässt er geduldig an sich heran und erlaubt ihnen, an ihm zu zupfen und zu rupfen bis nicht nur alle Beeren auf dem Boden liegen sondern auch die dünnen Ästchen an denen sie hingen.

Vor dem Garten Edi war ich ein uneingeschränkter Freund aller Vögel, nun sehe ich sie etwas kritischer. Aber gut, sie waren zuerst hier und ich arrangiere mich mit allen Lebenwesen hier. Um aber wenigstens ein paar Stachelbeeren probieren zu können kramte der Mann ein Netz aus dem Werkzeugschuppen hervor und drapierte es liebevoll über unserem Strauch. Am nächsten Morgen waren allerdings schon wieder deutlich weniger Beeren an sondern unter dem Baum.

"Datt müssta unten zu machen! Kommen se ja alle rein, die Viecher! Sind ja schlau!" Der gute Nachbar. Danke schön, wird gemacht. Der Strauch sah aus als hätte Mutti ihm den Schal unterm Kinn zugebunden aber das half. So langsam reiften die Beeren, bekamen Farbe und wurden weicher. Wir warteten so lange es ging, sie wurden nicht süßer, nur überreif, was auch sehr interessant schmeckte.
Also startete der Mann unsere erste richtige Obsternte, denn bei den Erdbeeren waren Mäuse schneller gewesen und bei den Johannisbeeren die Vögel.


Eine ganze schöne Schale voll war das, für so einen alten, ranzigen und von Vögeln heimgesuchten Strauch doch eine feine Leistung. Ich werde einen Strauch-Experten ausfindig machen, der ihn vor dem nächsten Frühjahr ordentlich stutzt, tote Äste abschneidet und ihm hilft sich ein wenig zu erholen.
Zu einem Kuchen haben es die Beeren allerdings nicht geschafft, nicht mal nach Hause. Die Schale stand im Garten Edi während ein Tag voller Gartenarbeit vor uns lag und leider so ungünstig, dass man alle Nase lang an ihr vorbei marschieren musste. Schnapp, Schnapp und schon verschwand wieder eine kleine Hand voll im Mund. Schmatz, Schmatz und es hätte nicht mal für ein Törtchen gereicht. Und jeder der so viele Stachelbeeren auf einmal gegessen hat, hat dann vermutlich auch erst einmal genug für das Jahr. Ich zumindest.


Dienstag, 31. Juli 2012

Lavendel kann so aufregend sein..

Nach dem Beitrag über Tomaten vom letzten Mal, der ja etwas tragisch geendet hat, möchte ich diesen über Lavendel nicht direkt damit beginnen, dass ich vermutlich ein paar Lavendelpflanzen mit guter Intention zerstört oder zumindest verstümmelt habe....

Darum, at the Beginning das Happy End der Tomaten: sie haben das Umpflanzen überlebt, wuchern vor sich hin und ein paar von ihnen tragen grüne Kügelchen. Oder gar eiförmige Grünlinge. Das macht mich sehr froh. Auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob sie es zur Essreife schaffen. Überall in der Schrebergartenkolonie grasiert eine gruselige Heimsuchung namens Braunfäule, an einem anderen Strauch waren zwei Tomaten bräunlich und faulig, aber ich hab sie einfach schnell ins Gebüsch geworfen und ignoriere diesen Vorfall.



Nun aber genug der Harmonie und zurück zum Thema dieses Einblickes in den Garten Edi: Lavendel.
Ich liebe Lavendel. So, so sehr. Vermutlich aus den gleichen sentimentalen Gründen wie südfranzösische Tomaten und Feigen... und im Garten wächst bereits Lavendel. Drei Büsche, einer groß, zwei klein, es sind unterschiedliche Sorten, zwei haben nicht so superlange Stängel und die Blüten sind ein dunkles, sattes Lila und einer wächst ziemlich hoch hinaus und der Blütenton ist eine Nuance heller. Mir fällt das ja auf, als geschulter Bildbearbeiter mit Sinn fürs Color-Managment, höhö. Jedenfalls hätte ich nie gedacht, dass es so, so viele verschiedene Sorten an Lavendel gibt. Ich überlege bereits ernsthaft, mal nach einer Art Almanach der Lavendelsorten zu gucken, einer Art Katalog...
Aber erst einmal wird sich um den Lavendel im Garten Edi gekümmert!



Wie pflege ich ihn, habe ich mich gefragt und als ich dann zu Hause vor dem Computer saß, habe ich YouTube konsultiert und dabei ein tolles Video gefunden. Darin hat eine sympathische Engländerin in ihrem pittoresken Jane Austen Garten (eeeww!) an ihrem imposanten Lavendel rum geschnippelt, gerade jetzt, wo die Blüte da ist und schon fast vorbei.


LAVENDEL ABSCHNEIDEN? habe ich erst gedacht. Aber als hätte die Frau im Internet meine Gedanken erraten hat sie milde lächelnd erklärt, dass die meisten Frauen geradezu geschockt reagieren bei dem Gedanken den schönen lila Lavendel zu verstümmeln wenn er doch gerade so schön blüht und duftet und von Bienchen und fluffigen Hummeln umschwärmt wird. Aber, hat sie gesagt, probieren Sie es! Damit er vor dem Winter noch einmal blüht. Und schön wächst. Und eine Lavendelernte ergibt die schönsten Sträusse zum Trocknen und ich hab an diese Duftsäckchen gedacht, die meine Oma in jeder Schublade hatte. Und überhaupt soll ein Schrebergarten ja auch zum Teil als Nutzgarten bewirtschaftet werden. Also liegt es doch auf der Hand den Lavendel zu nutzen!

Ich hab ihr geduldig beim Schnippen und Schnappen zugesehen und zugehört. Die Auflösung des Videos war nicht die beste, aber ich habe verstanden, dass man nicht zimperlich sein soll. Etwas tiefer abschneiden damit das alles nicht so verholzt. Oder vergraut wie ich bei Lavendel finde. Da wachsen diese schönen grünen Stängel mit dem duftenden lila Knospen auf struppigem Grau. Das sieht so trist und tot aus. Ich hab also mitten durch das graue Gestrüpp geschnitten und den Lavendel so irgendwie geernet. Ich hab ihn auf die Wiese gelegt, nach Größe sortiert. Das hat so schön geduftet. Dann bin ich langsam an diese harten Äste gekommen, die wirkten sehr trocken und unschön und ich hab einfach weiter geschnitten, Knips, Knips. Und ab waren sie. Die Büsche waren nur noch halb so groß. Und ich bekam Angst. Ob da wirklich wieder grüne Triebe rauskommen. Aus diesem trockenen Material. Ich sammelte meine Lavendelsträusse zusammen, arrangierte sie in Einmachgläsern und trug den größten nach Hause.
Am nächsten Tag war Axel im Garten und bestätigte meine Vermutung: Ähm ja. Ziemlich kurz...

Ich hoffe immer noch dass der Lavendel sich die kämpferischen Tomaten zum Vorbild nimmt und mir diesen Fehler verzeiht. Ich werde beim nächsten mal vorsichtiger stutzen, versprochen, versprochen.
Die Chancen stehen aber ganz gut, ich lege mich jeden Tag auf das Gras um ganz genau zu gucken ob sich etwas tut und ja, an manchen Stellen kommt aus dem holzigen Grau eine winzige Spur von Grün. Vielleicht werden die Büsche nicht mehr ganz so buschig, vielleicht aber doch. Optimismus regiert den Garten Edi und ich glaube selbst die Natur verzeiht uns Anfängerfehler.

Weil ich aber ungeduldig bin und ich nicht so lange auf die Natur mit ihren Launen und ihrem Tempo warten kann, habe ich in meinem Lieblingsladen Dehner ein paar reduzierte weil verblühte oder irgendwie angeranzte und deformierte Töpfe mit Lavendel gekauft. Kuriose Sorten aus England mit majestätischen Namen und aufwändigen Etiketten. Die habe ich leider direkt weggeworfen, ich überlege aber, mir ein Album oder eine große Dose anzuschaffen in die fortan all die Etiketten wandern.
Jedenfalls hätte ich nie gedacht, dass hinter Lavendel eine solche Züchter- und Kultivierer-Elite steht wie hinter Rosen und Orchideen, aber ich finde das toll. Wenn es nach mir geht, fliesst all mein fortan akkumuliertes Wissen über Pflanzen in die Kultivierung von Lavendel. Wenn es nach mir geht wachsen auf den vier Gemüsefeldern bald Lavendel und Lavendel. Aber das mag der Mann nicht. Und ich glaube, Monokulturen verstossen auch gegen die Statuten des Kleingartenvereins.

Jedenfalls ist mein Lieblings-Lavendel im Garten zur Zeit ein riesengroßer Busch den meine liebe Renee aus ihrem Garten ausgegraben hat. Ich habe ihn vorsichtig in eine blaue IKEA Tüte gestopft (mein Alltags-Utensil Number one, by the Way. Ich habe Dutzende dieser unverwüstlichen Taschen und brauche jeden Tag mindestens eine zum Transport diverser Dinge) und in den Garten Edi bugsiert. Das war nicht ganz leicht, denn Edi zappelte irgendwo unter dem Busch neben mir auf dem Bürgersteig rum, aber irgendwie haben wir es geschafft. Jetzt verwurzelt er sich hoffentlich glücklich mit dem Garten, denn er steht direkt in Sichtweite der Terrasse und sein Anblick macht mich glücklich. Mein Lavendel in MEINEM GARTEN denke ich dann, also ungefähr fünf mal am Tag. Und dann blicke ich gespannt auf die vielen unterschiedlichen Töpfchen mit diverser Erde in denen ich den Inhhalt von drei Tütchen mit Lavendel-Samen verteilt habe. Ich bin gespannt. Auf den Samentütchen steht, dass sie etwas unregelmäßig keimen und das kann bis zu 40 Tage dauern. Egal. Direkt daneben stecke ich immer wieder ein paar Bohnenkerne in die Erde, die kommen zuverlässig nach ein paar Tagen aus der Erde gekrochen.







Samstag, 7. Juli 2012

Von tollen, traurigen und toten Tomaten.

Schon in der ersten Woche im Garten lernte ich fleissig andere Kleingärtner kennen und bekam nicht nur erste Tipps, sondern auch erste Pflanzen geschenkt.

Axel und sein Hund Ben besuchten mich und Edi mit einer Zucchini und einer anderen Pflanze im Arm, von der ich den Namen vergessen hab, die aber fleissig zu blühen angefangen hat. Für mich ein Zeichen, dass es ihr gut geht. Was man von der Zucchini leider nicht sagen kann... Sie fristet ein traurig-trockenes Dasein auf meinem etwas nachlässig gegossenem Kürbis-Acker der ein Thema für sich ist, welchem ich mich in einem anderen Blogbeitrag noch widmen werde.

Was aber trotz Nicht-Beachtung trotzig vor sich hin wächst, sind Antons Tomaten. Eine ganze kleine Plastikpalette voll mit spillerigen Pflänzchen reichte er mir Anfang Juni über die Hecke, zusammen mit einigen seiner notorischen selbstgebrannten Kurzen, die ebenfalls an anderer Stelle mal thematisiert werden.

Anton redet manchmal schnell und wenn ich seine Liköre probiert habe verstehe ich oft nur langsam und so stand ich später alleine im Garten Edi und fragte mich, ob sie nun in die Sonne oder in den Schatten sollten, viel Wasser mögen oder doch ehr wenig.

Ich war mir sicher, dass Anton etwas von Töpfen gesagt hatte und so pflanzte ich alles in Töpfe. Auch das wäre EIGENTLICH ein eigenes Thema, denn entgegen guter Ratschläge alte, unter Hecken gefundene Töpfe erst mal zu reinigen, befüllte ich sie gleich mit Erde, die nicht supersaftig aus einer Tüte kam, sondern die ich mit Edi an anderer Stelle im Garten ausgegraben hab.
Von den Töpfen stellte ein paar hier hin und ein paar dort hin, Sonne, Schatten, das ganze Spektrum.

Von Schwiegermama bekam ich auch eine Tomate, eine etwas kräftigere Pflanze mit ein paar kleinen grünen Mini-Kügelchen dran. Aus diesen Kügelchen sind kleine Klumpen geworden und sie sind meine ganze Hoffnung auf einen Teller Schrebergartentomaten mit dem Mann in diesem Sommer.

Mit dem Salz drauf, das Renee uns aus dem Urlaub mitgebracht hat. Vielleicht pflanze ich vorher noch Basilikum. Und kaufe Wein aus dem Languedoc, vielleicht sogar aus dem kleinen Ort von Bernadette und Dédé. Denn neben den Feigen sind es die Tomaten aus ihrem Garten, die uns in den Sommern dort so verwöhnt haben, dass uns die Früchte hier meist nur ein wehmütiges Lächeln entlocken können.

Dass das nicht nur etwas mit sentimentalen Reminiszenzen an unsere zweite Familie in der Provence und subjektivem Geschmacksempfinden zu tun hat, haben "Forscher" nun heraus gefunden. Oder vielmehr erklärt, denn wenn ich der Artikel auf STERN online vom 29. Juni 2012 richtig verstanden habe, dann sind besagte Forscher und Wissenschaftler ja Schuld an unserer faden Misere! Denn laut "Marketingexperten" sind wir oberflächlichen Verbraucher ja darauf getrimmt (von wem wohl??), nur nach makellos rot gefärbten Tomaten zu greifen.

Diese mussten also genetisch so gelenkt werden, dass möglichst wenige Chloroplasten gebildetet werden. Das sind Zellbestandteilen, die die Tomate so schmackhaft machen aber leider auch ihren Grünteil nach dem Reifen erhalten. Am Stängel würde es also bei einer richtig leckeren Tomate nicht so ganz und gar rot. Für die verkaufsfördernde Tomatenevolution haben Züchter in den letzten 70 Jahren also sukzessive das grüne Geschmacksgen durch Selektion zurück gedrängt und bei modernen Sorten gar zerstört.

Jetzt sind Tomaten also rund und rot, aber auch fade und bleiben so schon wieder in den Regalen liegen. Denn die Käufer wollen ja süßen, intensiven Tomatengeschmack! Haben Marketingexperten heraus gefunden. Und jetzt basteln Forscher fleissig daran, das Geschmacksgen ohne Grünfunktion wieder in die tückischen Tomaten herein zu basteln.

In der Zwischenzeit kommen die Verbraucher auf den Trichter, dass man sich selbst auch vom Konsumenten zum Produzenten mausern kann und pflanzen in Gärten und auf Balkonen vermehr eigene Tomätchen. Mit Erfolg, wenn man anderen Fachartikeln Glauben schenkt.
Denn laut denen ist es sehr einfach, schmackhafte Tomaten auf kleinstem Raum zu ziehen.

Ich habe viel Platz im Garten Edi. Und anscheinend auch viel Raum, um viel falsch zu machen. Denn bis auf die besagten Schwiegermama-Tomaten ist da noch nicht so viel Aussicht auf eine Ernte die für einen deliziösen Sommerabend zu Zweit reicht.

Es ist ja nicht so, dass Antons Tomaten kümmerlich eingegangen wären oder einfach beschlössen hätten, es der Zucchini gleich zu tun und das Wachstum einzustellen.
Sie wachsen, spriessen grün mit ihren duftenden Tomatenblättern die Töpfe voll und lassen sich von mir mit Stöckchen Halt geben. Aber von Blüten respektive Minimikrokügelchen keine Spur. Ich knipse schon immer die Blattzweige ab, so wie ich es in irgend einem Gartenbuch gelesen habe, aber der einzige Effekt sind duftende Hände, an denen ich dann bestimmt alle zwei Minuten riechen muss weil sie so wunderbar tomatig riechen.

Und zu allem Überfluss kam mir dann auch noch die selten dämliche Idee, den großen Tomatenkübel vielleicht etwas umzuordnen, also zwei der insgesamt fünf dort vor sich hin wachsenden Pflanzen umzusiedeln. Nur leider bin ich ein Mensch der Gedanken und Ideen oft sofort umsetzen muss. Und da muss ich dringend an meiner Geduld arbeiten und meine Flausen mit etwas gesundem Menschenverstand reifen lassen. Denn der hätte mir gesagt, dass eine Umsiedlung von Topftomaten nicht in der Mittagshitze erfolgen sollte und auch nicht in Erde, die zwar dunkel, aber auch sehr fest und lehmig ist.
Kaum waren die Pflanzen an ihrem neuen Platz, liessen sie auch schon trist und traurig ihre vorher so kräftigen Blätter hängen. Eine ganze Giesskanne mit gesundem Regenwasser konnte sie nicht animieren, Mut zum Leben zu fassen und so band ich sie schnell an Stöcken fest und verliess den Garten.

Ich hoffe auf ein kleines Tomatenwunder und wenn sie es überleben bis nächste Woche, dann kommen sie in einen gereinigten Topf mit frischer, gekaufter Blumenerde und dürfen den ganzen Sommer auf der Terrasse stehen und von mir umsorgt werden!




Freitag, 6. Juli 2012

Vom über den Kopf wachsen und Beruhigen

Der Sommer in diesem Jahr ist warm aber nass. Das scheinen manche Pflanzen zu mögen, während andere schlapp und deprimiert ihre Ärmchen und Köpfchen hängen lassen. Ich kann das verstehen, etwas mehr Beständigkeit und Zuverlässigkeit seitens des Wetters täten jedem Gemüt gut.
Aber manche scheinen das alles sehr zu lieben. Unkraut zum Beispiel. Wobei ich das gerade ganz hübsch finde, denn am besten wächst dieses schaumig blättrige Gekräusel, dessen Namen ich gar nicht kenne. Das werde ich auch beizeiten mal googeln müssen...

Das Unkraut also geniesst Regen und unsere Abwesenheit.
Und wächst mit meiner Unsicherheit was nun zu tun ist. Was meine Aufgabe ist, was von mir erwartet wird. Also was ich von mir selbst erwarte und was die Gärtner in den anderen Gärten drumherum erwarten KÖNNTEN.

Ich lasse mich oft schnell und leicht verunsichern. Aber genau so schnell und sicher suche und finde ich dann wieder einen Halt.
Und so habe ich mir ein wohl wundervolles Buch von einer wohl wundervollen Gärtnerin gekauft: Alys Fowler.

Sie ist ein langsam lebender Mensch, sie hat Langsamkeit und Muße zu ihrer Maxime gemacht. Gelassenheit ist es, was schönes Leben und Gärtnern ausmacht. Beides ist ein Prozess, und nicht Etwas, was man fertig kauft, fertig bekommt oder was überhaupt fertig wird.

Das habe ich in der Einleitung gelesen und das Buch erst einmal mit einem erleichterten Seufzer beiseite gelegt. Denn dieser Rat ist erst einmal alles was ich brauchte und den beherzige ich auch bezüglich dieses Buches. Denn ich glaube, ich habe in den letzten Wochen zu viele Gartenbücher gelesen um noch irgendwie zu wissen, was zu tun ist...

Denn vor dem Projekt Garten hat noch ein viel größeres gerade Priorität. Edi.
Ihre Schwierigkeit, mit Reizen umzugehen, ihre Unsicherheit mit einem zu Viel und zu Vielen. Ihre große Angst an Strassen und Plätzen mit Kindern und Gewusel zu sein und unsere Unsicherheit, wie wir damit umzugehen haben um ihr die Sicherheit zu geben die sie braucht und die Verantwortung zu nehmen, uns oder sich selbst zu schützen die sie überfordert und belastet.

Da lese und lerne ich im Moment am meisten und auch hier war es ein zu Viel an Ratschlägen und Lektüre die mich erst vollkommen blockiert haben. Wir waren auf Seminaren, hatten eine sehr gute Hundetrainerin bei uns und nun gehe ich langsame Schritte, die für mich und so auch für Edi nicht überfordernd sind. Die Fortschritte sind für andere vielleicht klein, für mich aber jetzt schon so groß, dass sie mich motivieren und beruhigen.
Es bedeutet zwar viel Umstellung, da Edi nicht mehr einfach mitgenommen werden kann und auch die Wege in den Garten sind länger, da ich große Strassen meide und auch die Zeiten abpassen muss an denen möglichst wenig los ist.

Wenn wir dann im Garten angekommen sind und sich die kleine Gartenpforte hinter uns schliesst, ist erst einmal alles gut. Edi verschwindet in den Sträuchern und man hört mal hier und da ein grunzendes Schnauben. Die Blätter wackeln und dann kommt sie hervor geschossen, fliegt über die Beete und ist in ihrem Element. Sie wühlt und erschnüffelt, findet ihren geliebten Ball und fühlt sich vollkommen sicher und gut. Sie bellt nicht mehr so viel und die Nachbarn rechts und links vom Grundstück werden sehr freudig und neugierig begrüßt, denn entweder wird der blaue Ball über den kleinen Zaun geworfen oder es gibt eine halbe Tüte mit Frolic-Stangen auf einmal.

Und wenn fremde Menschen sich zu ihr herunter beugen, dann verstehe ich jetzt, wie bedrohlich diese Geste für Edi und auch andere Hunde ist. Der frontale Blickkontakt, die sich über sie beugende Haltung, die nach hinten gezogenen Lefzen mit denen wir Menschen Lächeln und Zähne zeigen. Vielleicht sogar das Greifen nach ihrem Kopf um sie zu tätscheln. All diese Menschen wollen den süßen kleinen Dackel beruhigen, ihn begrüßen und sein Herz gewinnen und verunsichern Edi dabei und lassen sie ganz garstig bellen und ihren Raum verteidigen. Ich habe aufgehört, Edi dann noch zu tadeln und zu viel mit ihr zu reden. Ich rufe sie kurz ab und bitte die Menschen, sie erst einmal zu ignorieren. Irgendwann ist die Zeit, wenn Edi Freundschaft schliessen möchte, dann wird sie wedeln und kann auch wild umarmt und geknuddelt werden, was ganz und gar gar nicht in der Natur der Hunde liegt. Aber sie hat gelernt, dass wir Menschen das gerne tun, untereinander und darum macht sie bei Menschen denen sie vertraut auch gerne wild mit. Aber dieses Vertrauen, das muss erst einmal aufgebaut werden. Und dafür nehmen wir uns jetzt ganz viel Zeit.

So wie für den Garten. Und auch für diesen blog, der mit unvorhersehbarer Unregelmäßigkeit bestückt werden wird. Mal mehr, mal weniger. Ganz nach meiner Lust, Laune und Geschwindigkeit.